Dummheit tötet.

Gedanken zum Massaker  von Berlin.

Was haben wir gehört, als die Flüchtlinge kamen?

Wir schaffen das. Die, die gekommen sind, sind nicht krimineller als die deutsche oder europäische Bevölkerung im Durchschnitt. Welches Mantra werden wir jetztnach Berlin 20/12 wieder hören: Nur kein Generalverdacht!

Dummheit tötet. 

Wenn 1.000.000 Menschen aus Ländern wie Afghanistan, Pakistan, Irak, Syrien, Lybien u.ä. nach Deutschland kommen, ist die Gefahr, dass darunter eine große Anzahl von Mördern, potenziellen Mördern, Dieben, Vergewaltigern und potentiellen Vergewaltigern ist, groß. Das kann man durch schlichtes Nachdenken verifizieren:

Wenn jemand unter widrigen Umständen eine so schwierige und gefährliche Reise schafft, dann ist es naheliegend, dass er schon in seiner Heimat eher zu den „Machern“ als zu den „Opfern“ gehörte. 

Wenn jemand seine Frau(en) und Kinder in Not und Lebensgefahr für Wochen und Monate zurücklässt, dann muss das nicht feige und unverantwortlich sein. Aber es ist durchaus naheliegend, eine solche Bewertung als zutreffendin Betracht zu ziehen. 

Wenn jemand (Mann oder Frau) einer Religion angehört, die noch in nahezu jedem Land, wo sie Wirkmacht hat, für Intoleranz, Gewalt, Willkür und Terrorismus und Missachtung der Frauen steht, dann kann dieser Mensch durchaus tolerant, weltoffen und liebenswürdig sein. Man muss das aber nicht unbesehen glauben. Und man muss es schon gar nicht von einem Mann ohne Frau und Kinder (für die er aktuell sorgt) annehmen. 

Ich wünsche mir, dass wir langsam anfangen, die Dinge nüchtern zu betrachten. Es gibt keinen Grund davon auszugehen, dass jeder der 1.000.000 Menschen, die zu uns gekommen sind, ein schlechter Mensch wäre und keine Hilfe verdient hätte. Es sind sehr, sehr viele, die Hilfe brauchen. Und wenn sie hier sind, haben wir, die wir die Werte des christlichen Abendlandes hochhalten wollen, ihnen als unseren Nächsten mit Liebe zu begegnen. Dennnur das kann helfen.  Kein Mensch sollte seinem Mitmenschen mit Hass oder Argwohn begegnen. 

Von der Politik allerdings sollten wir erwarten: Ab sofort soll endlich geächtet werden, Islamisten zu unterstützen.  Es muss ein breites Bündnis gegen die Islamistengeben. Null Toleranz für Islamisten im Land. Wir stellen – zu Recht – NS-Propaganda unter Strafe. Wer nurdie Hand zum Hitlergruß hochhält, wird bestraft. Genau so sollten wir dem Islamismus begegnen. (Die Burka ist ein Zeichen für Islamismus.)

Beides würde eine Kehrtwende in der Außen- wie in der Innenpolitik bedeuten. Nichtmehr Saudi-Arabien sollte von uns hofiert werden, vielmehr sollten wir Russland die Hand im Kampf gegen den Terrorreichen. Die finanzielle und militärische Unterstützung von Islamisten in Syrien und anderswo müsste sofort aufhören. Die islamistische Einflussnahme der Türkei in unserem Land dürfte nicht mehr gefördert und müsste dafür unterbunden werden. Vielleicht wäre es auch nicht schlecht, wenn sich unsere Bundeskanzlerin bei Donald Trump für seine vernünftigen Worte zu dem Massaker von Berlin bedanken und sofort damit beginnen würde, den internationalen Zusammenschluss gegen den Islamismus in die Tat umzusetzen. 

Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung

Eine neue Entscheidung des BGH zur Wirksamkeit der Erklärungen


Wissen Sie, dass Ihre Angehörigen, Ehepartner, Geschwister, erwachsenen Kinder oder Eltern nicht berechtigt sind, für Sie die notwendigen Verfügungen zu treffen, wenn Sie aufgrund eines Unfalles oder Krankheit vorübergehend oder dauerhaft daran gehindert sind?

Wissen Sie, dass zu diesen notwendigen Verfügungen nicht nur denkbare Erklärungen gegenüber der Bank, einer Behörde, dem Finanzamt oder einem privaten Vertragspartner gehören, sondern auch die Anweisung an Ärzte, bestimmte Behandlungen vorzunehmen oder zu unterlassen?

Der BGH hat in einer aktuellen Entscheidung (Beschluss vom 6.7.2016, Aktenzeichen XII ZB 61/16) einige Dinge zu Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung klargestellt, die es sinnvoll machen, die vielleicht schon erteilte Vollmacht bzw. Verfügung zu überprüfen. Klargestellt wurde nämlich, dass die Patientenverfügung, bestimmte lebenserhaltende Maßnahmen zu unterlassen oder abzubrechen, hinreichend konkret sein muss.

Eine Generalvollmacht, die eine Person des Vertrauens berechtigt, über alle wichtigen Fragen des Lebens im Falle der eigenen Verhinderung zu entscheiden, ist wichtiger als eine Lebensversicherung. Oder wollen Sie, dass ein Ihnen unbekannter Betreuer für Sie entscheidet, während Ihre Angehörigen nicht einmal informiert werden?

Durch die Entscheidung des BGH macht es Sinn, bestehende Vollmachten und Patientenverfügungen zu überprüfen, denn es könnte sein, dass diese nicht mehr ausreichend sind. Für alle, die diese Vorsorge noch nicht getroffen haben, gilt meine dringende Empfehlung, sich schnellstmöglich dazu Rechtsrat einzuholen. Dies gilt umso mehr, als es heute scheinbar immer häufiger vorkommt, dass nahe Angehörige, ja sogar Ehepartner, von den Ärzten unter Berufung auf die Schweigepflicht nicht einmal mehr Auskunft bekommen.

 

Eigentumswohnung als Wohnheim für Flüchtlinge?

Die Flüchtlingsproblematik und das Wohnungseigentumsrecht. 

Das Vertragsrecht hat viele Facetten. Eine davon gibt das Wohnungseigentumsrecht. Wer eine Eigentumswohnung besitzt, darf– wie jeder Eigentümer – mit seinem Eigentum nach Belieben verfahren. Die Besonderheit einer Wohnungseigentumsanlage bringt es allerdings mit sich, dass die Rechte des einen leicht die Belange der anderen beeinträchtigen können. Deswegen wird der Umfang der zulässigen Nutzung zumeist in der Teilungserklärung geregelt. Das Wohnungseigentumsgesetz (WEG) bestimmt, dass eine Wohnung zu Wohnzwecken genutzt werden darf, es regelt die Rechte und bestimmt, dass diese ihre Grenzen in den berechtigten Interessen der anderen Wohnungseigentümerfinden.

Von einer größeren Wohnungseigentümergemeinschaft beauftragt, bin ich auf eine interessante Fallgestaltung gekommen, die offenbar inzwischen gängige Verwaltungspraxis ist: Ein Wohnungseigentümer hatte seine Wohnung (65 m²) an ein Landratsamt vermietet, damit diese die Wohnung zur Unterbringung von Flüchtlingen nutzen kann. Als das Landratsamt die Wohnung mit 4 Doppelstockbetten möblierte, wurden die anderen Wohnungseigentümer dies gewahr und waren damit ganz und gar nicht einverstanden.

Die Eigentümer befürchteten bei einer solchen Nutzung eine Beeinträchtigung ihrer Rechte. So sei bei einer Belegung der kleinen Wohnung mit 8 Einzelpersonen eine verstärkte Abnutzung des Gemeinschaftseigentumes und vor allen Dingen eine Störung des häuslichen Friedens zu besorgen. Weiter sorgten sie sich um mögliche Angriffe von rechten Gewalttätern.  Weder der Eigentümer noch die Behörde wollten für diese und andere Risiken die Haftung übernehmen.

Die Fragestellung  der Eigentümergemeinschaft lautete: Durfte der Wohnungseigentümer seine Wohnung so an das LRA vermieten?

Nach einem Papier der Landeshauptstadt Dresden nennt man eine so von dem Ausländeramt angemietete Wohnung Gewährleistungswohnung. Die Wohnung soll gewährleisten, dass die Behörde die ihr zugewiesenen Flüchtlinge unterbringen kann. Diese Behörde geht davon aus, dass die Nutzung kein bürgerlich-rechtliches Mietverhältnis ist, vielmehr handelt  essich um ausgelagerte Plätze von Übergangswohnheimen.  Beschäftigt man sich mit der Materie, bekommt man mit, dass die Anmietung von Eigentumswohnungen zu diesem Zweck gängige Verwaltungspraxis ist.

ZweiGerichte haben sich in der jüngeren Vergangenheit mit der Problematik beschäftigt. Das AG Laufen, Urteil vom 4.2. 2016, AZ 2 C 565/15, und das AG Traunstein, Beschluss vom 18.9.2015, AZ 319 C 1083/15. Beide Gerichtehaben die Nutzung unter Berufung auf eine Entscheidung des BGH vom 15.1.2010, AZ V ZR 72/09, als zulässig erachtet. Bei dieser Entscheidung ging es allerdings um die Nutzung einer Eigentumswohnung als Ferienwohnung.  Klar hatte sich dagegen bereits 1991 das Oberlandesgericht Hamm positioniert, welches in einer Entscheidung vom 26.9.1991, AZ 15 W 127/91, die Nutzungdes Sondereigentums (also der Eigentumswohnung) „als Wohnheim für einen fortlaufend wechselnden Personenkreis“ nicht als Nutzung zu Wohnzwecken und damit als unzulässig ansah. In dieser Entscheidung ging es um eine Nutzung der Wohnung für Aussiedler. 

Die Ausgangsfrage, ob die Vermietung der Wohnung durch den Eigentümer an das Landratsamt zulässig war oder nicht, kann man also als von der Rechtsprechung abschließend nicht entschieden ansehen. Ich halte sie eindeutig für nicht erlaubt. Die Praxis der Behörden, mit einzelnen Wohnungseigentümern solche Verträge abzuschließen, obwohl man davon ausgehen kann, dass die Wohnungseigentümergemeinschaften in aller Regel damit nicht einverstanden sein werden, ist allerdings mehr als fragwürdig. Immerhin hat ein ausgesprochen angesehenes Oberlandesgericht eine solche Nutzung bereits als mit dem Wohnungseigentumsgesetz nicht vereinbar angesehen.

Fünf Thesen zum Thema „Flüchtlingskrise“

Versuch einer Vereinfachung

1.      Jeder Mensch schuldet seinem Nachbarn Respekt und Nächstenliebe

Respekt und Nächstenliebe  gegenüber den Mitmenschen sind unverzichtbar und ein entscheidender Wert des vom Christentum geprägten Abendlandes.

(Aus diesem Grund kann man die verbalen Entgleisungen, wie man sie von den AfD-Vertretern oder den Pegida-Rednern ertragen muss, nicht akzeptieren; Gewalt gegen Ausländer und/oder Ausländerunterkünfte noch weniger. Dem einzelnen steht es nicht zu, das Bleiberecht seines Nachbarn z.B. in einer Flüchtlingsunterkunft infrage zu stellen.)

2.      Rechtstaatlichkeit ist unverzichtbar

Rechtsstaatlichkeit ist die größte Errungenschaft der europäischen Gesellschaften. Hier hat die Bundesrepublik Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg eine Vorreiterrolle eingenommen. Jedes staatliche Handeln ist an Recht und Gesetz besonders gebunden (Art 20 III GG). Deshalb darf eine Regierung nicht einfach Ausländer in das Land lassen und ihnen Leistungen gewähren, ohne dass ihre Identität bekannt wäre oder dass es ausreichende Anhaltspunkte dafür gäbe, dass es sich um Asylbewerber (mit entsprechendem Asylanspruch) oder Flüchtlinge handelt. Es fehlt dafür an einer Rechtsgrundlage.

(Die tatsächliche Praxis der Bundesregierung, Ausländer als Flüchtlinge aufzunehmen, wobei die Berechtigung der Ausländer allein darauf gestützt wird, dass sie sich in einer größeren Menschenansammlung befinden, die als „Flüchtlingsstrom“ wahrgenommen wird, ist rechtswidrig.)

3.      Eine verschärfte Abschiebepraxis kann das Problem nicht lösen

Die Vorstellung, man könne das Problem der Einwanderung von Ausländern ohne ausreichenden Asylgrund oder Flüchtlingsstatus durch eine schärfere Abschiebungspraxis lösen, ist abwegig.

(Gegenwärtig halten sich mehr als 1 Million Ausländer in Deutschland auf, deren Ausreiseverpflichtung entweder schon feststeht oder die sicher mit einer Ausweisungsverfügung rechnen müssen. Geht man davon aus, dass man in ein großes Flugzeug 333 Ausländer setzen und mit einem Flug außer Landes schaffen könnte und geht man weiter davon aus, dass man mit drei so besetzten Flugzeugen an einem Tag 1000 Ausländer abschieben könnte, dann müsste man dies 1000 Tage hintereinander praktizieren, um in mehr als 2 Jahren 1 Million Ausländer „abzuschieben“.)

4.      Die EU-Staaten müssen der Migrationsproblematik mit eigenen Mitteln begegnen

Die Vorstellung, das Problem, welches die EU-Staaten bislang nicht lösen konnten, müsse uns nun ein Staat wie die Türkei (gegen Bezahlung) abnehmen, ist abwegig.

(Es ist nicht nur abwegig. Das Antichambrieren bei Erdogan, der ebenso gegen sein eigenes Volk Krieg führt wie Assad, ist beschämend. Wenn wir diesem Weg weiter folgen, werden wir die Türkei bald als weiteres EU-Mitglied begrüßen können.)

5.      Sämtliche europäische Staaten, einschließlich Russland und die Türkei müssen in einen partnerschaftlichen Dialog einbezogen werden

Wir können ohne Russland die Probleme in Europa nicht lösen. Das zeigt um ein weiteres Mal die Flüchtlingskrise und das Engagement Russlands in Syrien.

(Deswegen wäre es sinnvoll, mit den Sanktionen sofort aufzuhören und mit Moskau Verhandlungen aufzunehmen, die von Respekt getragen sind. Die Attitüde moralischer Überlegenheit gegenüber Russland steht dem Westen im Allgemeinen und der Bundesregierung im Besonderen nicht zu.)

Der Zweifel im Strafverfahren

Oder wie Sachbeweise (z.B. eine DNA-Spur) täuschen können

Als Strafverteidiger besteht meine Aufgabe regelmäßig darin, den Richter, der aufgrund der Aktenlage meistens schon von der Schuld meines Mandanten überzeugt ist, an seiner Überzeugung zweifeln zu lassen. Was aber ist, wenn der Verteidiger selbst den Unschuldsbeteuerungen seines Mandanten nicht mehr glauben kann?

Am Landgericht Dresden hatte ich eine interessante Berufungsverhandlung. Der Mandant, Ausländer, sollte in eine Pizzeria außerhalb von Dresden eingebrochen sein und dort einen Automaten aufgebrochen haben. An dem Oberlicht, durch das der oder die Einbrecher eingestiegen waren, hatte man Spuren der DNA meines Mandanten gefunden. In der ersten Instanz hatte der Polizeibeamte, der die DNA-Spur gesichert hatte, ausgesagt, dass die Spur nicht eindeutig gewesen sei. Man hätte die Spur auch dort dadurch hinterlassen können, indem man z.B. aus Jux beim Herausgehen an den Türholm geschlagen hätte. Trotzdem wurde mein Mandant vom Amtsgericht verurteilt.

Auf meine Berufung hin wurde die Sache darauf vor dem Landgericht verhandelt. Der Richter zeigte mir gleich von Anfang an, dass er meine mit der Berufungsbegründung vorgetragenen Zweifel intellektuell nachvollziehen, aus Gründen des gesunden Menschenverstandes dazu aber keinen Anlass sehen könnte. Als dann mein Mandant noch schilderte, dass er die Pizzeria mit zwei Pizza-Kartons verlassen hatte und entsprechend kaum beim Herausgehen seine Spuren am Türholm hinterlassen haben konnte, war für mich selbst kaum noch vorstellbar, dass mein Mandant nicht der Täter gewesen war.

Trotzdem ließen wir uns noch von dem Polizeibeamten genau erklären, wie die Spuren gesichert worden waren, wie der Täter durch das Oberlicht gekommen war und wo sich genau dieDNA-Spur befunden hatte. Und siehe da: Von dem Täter konnten die Spuren beim Einstieg überhaupt nicht hinterlassen worden sein! Aber wie denn? Eine Möglichkeit, so der Polizeibeamte, wäre z.B. dass irgendjemand die DNA meines Mandanten mit der Hand irgendwo aufnahm, wo dieser sie zufällig hinterlassen hatte. Und dieser Jemand trug dann die Spur an den Türholm, aus welchen Gründen auch immer, jedenfalls vermutlich unbeabsichtigt. Zu welcher Zeit, in welcher Form, all das konnte man gar nicht mehr klären.

Eine DNA-Spur, die am Ende nichts weiter ist, als die Möglichkeit, eine Tat mit einem Menschen in Verbindung zu bringen. Ein schönes Beispiel auch dafür, dass es sich immer lohnt, den Zweifel zu bewahren. Als Verteidiger sowieso, denn der Zweifel streitet für den Angeklagten. 

Zur Bedeutung der Verantwortung in der Arbeitswelt

(und was das mit dem VW-Skandal, der Flüchtlingskrise und Pegida zu tun hat) 

Wenn ich als Rechtsanwalt einen Arbeitgeber berate, ob er einen Mitarbeiter z.B. wegen Diebstahls, Arbeitsverweigerung oder anderer Fehlleistungen kündigen darf, geht es um Verantwortung.  Wenn ich einen Arbeitnehmer in einem Kündigungsschutzprozess vertrete, geht es ebenso um Verantwortung. Jeder muss für das, was er tut, gerade stehen. Im Großen und Ganzen gibt die Rechtsprechung für die meisten Fälle auch eine Richtschnur, so dass man weiß, welche Folgen es hat, wenn man seiner Verantwortung nicht gerecht wird. Die Folgen sind regelmäßig erheblich. Ein geklauter Bienenstich kann die fristlose Kündigung nach sich ziehen.

Normale Menschen, vom einfachen Arbeiter bis zum selbst haftenden Unternehmer, wissen, dass man für das, was man tut, die Verantwortung tragen muss.  Auch wenn die Folgen mitunter ganz gravierend sind.

Das gilt scheinbar nicht für den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden von VW, Herrn Winterkorn, wie es auch nicht für die Verantwortlichen der deutschen Bank (und der allermeisten anderen Banken) gegolten hat. Diese Herren haben Schaden angerichtet oder sind dafür verantwortlich. Zur Verantwortung gezogen wurden sie nicht. Das ist schwer zu verstehen.

Auch die Verantwortlichen in der Politik halten sich für sakrosant und werden von der erstaunlich gleichförmigen Presse auch so behandelt. Nehmen wir Seehofer, Merkel, de Maizière, Maas und Gabriel. Nehmen wir die aktuelle „Flüchtlingskrise“:

Alle (auch Seehofer) haben in einer Bräsigkeit, die man keinem noch so unbedarften Ladenschwengel durchgehen lassen würde, eine Lawine von Flüchtlingen auf unser Land losrennen und einwandern lassen, die schon nach wenigen Monaten zu einer existenziellen Herausforderung geworden ist. Die Menschen, die jetzt zu Tausenden jeden Tag in unser Land strömen, sind ja nicht vom Himmel gefallen.  Das hätte man zumindest seit ein oder zwei Jahren  voraussehen und Vorkehrungen treffen können. Es ist völlig inakzeptabel, dass man erst jetzt auf die Idee kommt, sich z.B. die Frage zu stellen, wann jemand, der aus Syrien kommt, in welchem Umfang Asyl beanspruchen kann.

Hat man eine Entschuldigung gehört? Ein Angebot, den Schaden wieder gutzumachen? Wo sind die Stimmen, die dieses grandiose Politikversagen in der gebotenen Form thematisieren?  Wieso werden Politiker nicht nach ihrer Verantwortung gefragt?  Wieso dürfen sie sogar noch das Maul aufreißen, von „Pack“ reden und tausende Menschen für die „radikale Hetze“ schelten?  Auch wenn die Montagsdemonstrationen in Dresden schwer erträglich sind: Diese Menschen regen sich zu Recht über das soeben geschilderte Versagen auf.  

Ich träume von einem Land, in dem jeder dafür Verantwortung trägt, was er tut. Egal ob Arbeiter oder Unternehmer, Rechtsanwalt oder Richter, angestellter Unternehmensvertreter oder Politiker. Und die, die mehr Verantwortung tragen, sollten auch stärker in die Haftung genommen werden.

 

Muss der Arbeitnehmer bei eigener Kündigung die Kündigungsfrist einhalten?

Oft nur scheinbar eine Rechtsfrage!

Kürzlich hatte ich gleich zweimal mit ein und demselben Arbeitgeber zu tun. Der Arbeitgeber, ein größeres Dienstleistungsunternehmen mit mehreren 100 Mitarbeitern. Die Personalführung: unterirdisch. Irgendwo muss da bei den entscheidenden Führungskräften im Haus einiges schiefgelaufen sein. Vermutlich schon im eigenen Elternhaus. Die Folge: Jedenfalls in der Abteilung, in die ich Einblick nehmen konnte, waren sämtliche Mitarbeiter mit der Personalführung nicht einverstanden. Sämtliche Mitarbeiter klagten über Überforderung und willkürliche Schlechtbehandlung. Die Fluktuation erheblich. Der Krankenstand dramatisch.

Ein Mitarbeiter geht zur Personalleitung und bittet um Aufhebung seines Arbeitsvertrages. Die Kündigungsfrist beträgt 6 Monate. Selbstverständlich wird seine Bitte abschlägig beschieden. Ich berate den Arbeitnehmer, der für seinen Wunsch gute persönliche Gründe anführen kann, dahin, dass er außerordentlich kündigen soll. Es kommt zu einer Korrespondenz, bei dem ich dem Arbeitgeber erklären kann, dass er den Rechtsstreit, warum sein Arbeitnehmer ihn verlassen will, in Wirklichkeit nicht führen möchte. Erwartungsgemäß gibt der Arbeitgeber klein bei.

König und Bauern

König und Bauern


Kurze Zeit später kommt der nächste Mitarbeiter und bittet mich, ihn ebenso dabei zu unterstützen, früher aus dem Arbeitsverhältnis entlassen zu werden. Eine ähnliche Auseinandersetzung. Auch hier kann ich darauf hinweisen, dass der Arbeitgeber seine arbeitsvertraglichen Fürsorgepflichten erheblich verletzt hat. Tatsächlich kommt es aber zu einem Prozess: Der Arbeitgeber will dem Arbeitnehmer per einstweiliger Verfügung untersagen, bei einem bestimmten Konkurrenz-unternehmen anzufangen.

Der Rechtsstreit hat mit einem Vergleich geendet. Die Kündigungsfrist wurde auf 3 Monate verkürzt. Für den Mandanten war das O. K. – vor allem in finanzieller Hinsicht sogar vorteilhaft. Es stellt sich aber die Frage, wie es überhaupt zu solchen Streitigkeiten kommen kann, bei denen – so oder so – der Arbeitgeber wie ein Anfänger dasteht. Bei dem Prozess hat der Arbeitgeber zwar verhindert, dass ihm ein Arbeitnehmer einfach so die kalte Schulter zeigen kann, der Preis, der dafür bezahlt wurde, war hoch. Anstatt darüber nachzudenken, dass in einem Unternehmen, in dem Mitarbeiter nach über 10 Jahren Betriebszugehörigkeit von sich selbst aus kündigen, etwas schieflaufen muss, versuchte der Arbeitgeber seine Macht auszuspielen. Macht sollte aber nicht in den Händen von dummen Menschen liegen, weil da nie etwas Gutes dabei herauskommen kann. Macht bedeutet immer besondere Verantwortung, also Pflicht und nicht Privileg. Der Arbeitnehmer, der mitbekommt, dass sein Arbeitgeber mit seiner Macht nicht sorgsam umgeht, sollte – wenn er sich schlauerweise von ihm verabschieden will – allerdings nicht allzu redselig sein. In solchen Fällen ist es gut, wenn man sich früh beraten lässt.

Und Arbeitgebern sollte man loyale Berater wünschen, die auch darauf aufmerksam machen, wenn leitende Angestellte mit ihrer Macht nicht verantwortlich umgehen.

Tatsächlich muss auch ein Arbeitnehmer die Kündigungsfristen einhalten, obwohl dies eigentlich  widersinnig ist. Die Frage stellt sich allerdings aus den genannten Gründen nur selten als Rechtsfrage. 

Kein Parkverbot für Vespa Roller!

Als Strafverteidiger in Dresden beschäftige ich mich natürlich auch gerne mit dem Recht der Ordnungswidrigkeiten. Dies auch wegen der Überschaubarkeit. Unlängst hatte ich allerdings einen Fall, der rechtlich anspruchsvoll war und bei dem ich mich selbst vertreten musste.

Ich hatte den Körnergarten besucht und dazu meine Vespa GTS 300 IE (rot) direkt am Elbeufer neben einigen Autos und anderen Krafträdern abgestellt. Zurückgekommen stellte ich fest, dass mir ein „Knöllchen“ an meinen Roller geheftet worden war. Auch gegen die anderen Verkehrsteilnehmer war offensichtlich vorgegangen worden.

Einige Zeit später bekam ich eine Anhörung: Ich hätte in einem Bereich geparkt, der für den Verkehr von Pkws und Krafträdern nicht zugelassen ist und ob ich mit einem Bußgeld von 30 € einverstanden sei. Tatsächlich steht an der Einfahrt zu dem Ufergelände ein Schild, wonach die Einfahrt für PKW und Krafträder verboten ist.


Gegenüber der Bußgeldbehörde habe ich eingewandt, ich hätte meinen Roller natürlich auf das Gelände geschoben und außerdem möge man doch bedenken, dass eine rote Vespa noch für jeden Platz eine Zierde sei.

Ich bekam daraufhin eine Mitteilung, dass die Sache erledigt ist. Die Kosten der Verteidigung wurden mir nicht erstattet, womit ich allerdings gerechnet hatte.

Am Ende bleibt die Frage, ob es nun entscheidend war, dass dort eine rote Vespa stand und nicht etwa ein schwarzer Porsche. Ausschlaggebend könnte auch gewesen sein, dass ich mein Fahrzeug an seinen Standplatz nur geschoben hatte. Ich gehe davon aus, dass der gute Ausgang des Verfahrens einfach nur der Schönheit meines Fahrgerätes geschuldet war und möchte mir gar nicht vorstellen, wie künftig andere Verkehrsteilnehmer ihre SUV`s an die Elbe schieben, um im Körnergarten ein Bier trinken zu können.


Kein Ermittlungsverfahren gegen Winterkorn paradiesische Zustände in Braunschweig

Aktuell in der Presse: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat mitgeteilt, dass es kein Ermittlungsverfahren gegen Martin Winterkorn gibt. Es gäbe keinen Anfangsverdacht. Die Staatsanwaltschaft bedauert die Panne.

Als Strafverteidiger in Dresden könnte ich meinen, dass das Leben in Braunschweig für Straftäter angenehm sein muss. Soviel Zuvorkommen sind wir jedenfalls hier von der Staatsanwaltschaft nicht gewöhnt. Das zum Ausdruck des Bedauerns.

Jetzt zum Fehlen des Anfangsverdachtes. Dass es um Betrug (§ 263 StGB) mit einem Milliardenschaden geht, scheint ausgemacht zu sein.  Betrug wird mit Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren bestraft. In besonders schweren Fällen beträgt die Freiheitsstrafe 6 Monate bis zu 10 Jahren. Ein besonders schwerer Fall liegt in der Regel vor, wenn der Täter gewerbsmäßig oder als Mitglied einer Bande handelt (§ 263 Abs. 3 Nr. 1 StGB). Ich wüsste nicht, wie man begründen könnte, dass es hier nicht um gewerbsmäßigen Betrug geht.

Martin Winterkorn war der bestbezahlte Manager in Deutschland. Zu seinen Aufgaben gehörte ganz sicher, den Grad der Ehrlichkeit des Unternehmens, dem er vorstand, beim Verkauf der Produkte zu bestimmen. Die Staatsanwaltschaft geht zu Gunsten von Martin Winterkorn davon aus, dass er seine Pflichten nicht wahrgenommen hat und ahnungslos war.

Das erinnert mich ein wenig an so einem ziemlich dummen Bilderwitz, den ich vor Jahren irgendwo gesehen habe:  Ein unrasierter Mann mit klassischer Räuberbinde und einem Geldsack auf dem Rücken kommt aus einer Bank und wird von der Polizei gestellt. Mit Blick auf den Geldsack stellt er die Frage, wie der denn da wohl hingekommen ist. 

In Braunschweig müsste das jetzt eine erfolgversprechende Verteidigungsstrategie darstellen.

 

 

 

Die Verfolgung von FIFA Funktionären durch amerikanische Behörden - Einmischung in europäische Angelegenheiten?

Ein guter Freund rief mich, nachdem die Verhaftung von FIFA Funktionären in der Schweiz auf Veranlassung der amerikanischen Justizministerin bekannt wurde, an und monierte, dass sich die Amerikaner als Weltpolizisten aufspielen würden und besser vor ihrer eigenen Türe kehren sollten.

Da ist was dran. Aber mir ist es völlig egal, welches Land diese Ganoven einsperrt, Hauptsache, sie werden eingesperrt. Ich finde es auch gut, dass Blatter wieder gewählt wurde. So besteht vielleicht die Chance, dass wir noch erleben, wie der Präsident der FIFA ins Gefängnis wandert. Und wenn sich die USA herausnehmen, FIFA Funktionäre wegen des Amerikabezugs ihrer Handlungen zu verfolgen, könnten sich natürlich auch andere Länder überlegen, dass sie ja auch geschädigt sind. Die Duldung des Systems FIFA über so lange Zeit und selbst noch nach dem Schock der Verhaftung zeigt doch, dass die Strafverfolgungsbehörden in Europa, dem Kontinent der Rechtsstaatlichkeit, in Bezug auf mächtige Strukturen bananenrepublikanische Qualitäten haben. Wenn man das nicht mehr möchte, könnte es sogar bei uns dazu kommen, dass allzu große Schweinereien irgendwann auch einmal geahndet werden.

Dabei ist die FIFA ist eigentlich nicht einmal ein besonders krasses Beispiel, wie unsere sogenannten Eliten ticken. Der Schaden, den die korrupten FIFA-Funktionäre anrichten und angerichtet haben, ist ja noch vergleichsweise gering. Die Banken, die ja am Ende ja auch nur ihre wahnsinnigen Geschäfte gemacht haben,  weil ihre Funktionäre (Manager sollte man vielleicht gar nicht sagen) dafür aberwitzige Boni (Bestechungsgelder ?) erhalten haben, hat zu einem weit höherem Schaden geführt und es ist nicht abzusehen, ob wir mit diesem Schaden jemals fertig werden. In den großen Konzernen der sogenannten Realwirtschaft sieht es nicht viel anders aus. War es nicht so, dass Mercedes sich Chrysler einverleibte, damit die Funktionäre in Europa auch endlich mal Gehälter in Millionenhöhe bekommen sollten? Manche behaupten das. Und wenn bei der Deutschen Bahn jetzt schon davon gesprochen wird, man könne Züge irgendwann auch in China einkaufen und müsse diese nicht zwingend von Siemens beziehen, dann könnte hinter diesem Plan eine Bonuszahlung in mehrstelliger Millionenhöhe für eine Reihe Bahn-Funktionäre stecken. Abwegig ist das nicht.

Wir brauchen aber auch nicht nur „nach ganz oben“ zu schauen. Ist es nicht inzwischen normal, andere übers Ohr zu hauen? Ist es nicht täglich geübte Praxis von sich sonst seriös gebenden Unternehmen, öffentlichen Einrichtungen und Privatpersonen?  Gibt es irgendeinen Richter, der böse wird, wenn eine Partei vor Gericht unwahr  vorträgt und damit zu betrügen versucht?  Ich kenne wirklich keinen! Man könnte darin eine Entwicklung sehen, die auf Verfall hindeutet.

Ich finde es gut, dass die Funktionäre in Haft gekommen sind, weil die Korruption offenkundig ist. Ich fände es gut, wenn der alte und neue FIFA-Präsident seinen Kollegen dort bald Gesellschaft leisten müsste und es würde mich freuen, wenn alle Funktionäre, die am Schaden unseres Landes geradezu unanständig verdienen und verdient haben, künftig wenigstens schlechter schlafen würden. Noch besser wäre es natürlich, wenn diese Damen und Herren es dann mit europäischen und auch deutschen Strafverfolgungsbehörden zu tun bekämen. Denn wenn wir in Europa eine Zukunft haben wollen, werden wir schon selbst auf unserem Kontinent aufräumen müssen.

 

 

 

Mindestlohn unterlaufen – geht das?

Klar geht das. Die arbeitsrechtliche Praxis zeigt schon jetzt, dass viele Arbeitgeber versuchen, das neue Mindestlohngesetz zu unterlaufen.

Man kann Verständnis dafür haben, gibt es doch Unternehmen und Branchen, in denen die Umsetzung des Mindestlohnes eine schier unmögliche Aufgabe zu sein scheint. Da kommen gerne Spezialisten, die versprechen vertragliche Lösungen, mit denen man angeblich die Zahlung des Mindestlohnes vermeiden kann. Vorsicht ist angebracht.

Das größte Problem besteht in der fehlenden Rechtssicherheit. Wenn man das Gesetz nicht genau umsetzt, hat man ein Rechtsproblem, zu dem es noch keine Rechtsprechung gibt. D.h. die Frage, ob eine bestimmte vertragliche Regelung legal ist oder nicht, wird erst in mehreren Jahren entschieden sein.  Und wenn sich dann herausstellt, dass das Gesetz unterlaufen wurde, sind die Ansprüche der Arbeitnehmer immens. Denn der Arbeitnehmer kann rückwirkend für drei Jahre seine Ansprüche geltend machen. Ausschluss- und Verfallklauseln greifen hier nicht.

Dann geht es nicht nur um Geld. Wer den Mindestlohn nicht zahlt, macht sich strafbar. Ein guter Unternehmer ist daher gut beraten, das Problem betriebswirtschaftlich zu lösen und nicht mit juristischen Tricks.  Das bedeutet nicht, dass gut darauf geachtet werden sollte, ob die Verträge tatsächlich so gestaltet sind, dass alles, was für die Zahlung des Mindestlohnes angerechnet werden kann, auch tatsächlich angerechnet wird.

Arbeitnehmer dagegen haben es leichter. Bekommen sie nicht ihren Mindestlohn, können sie erst einmal abwarten. Der Arbeitgeber nimmt sich bei ihnen einen ziemlich teuren Kredit. Und wenn er fällig ist, sollte er in der Lage sein, das bezahlen zu können. 

3 Jahre für Middelhoff – zu viel?

3 Jahre hat Thomas Middelhoff bekommen. Er hatte eine Festschrift für Mark Wössner herausgegeben und diese dem ehemaligen Chef von Bertelsmann, seinem Förderer und Vorgänger im Amt, geschenkt. ARCANDOR, der Karstadt - Konzern, der zu dieser Zeit schon in Schwierigkeiten war, bezahlte die Rechnung: 150.000,00 € zzgl. MWSt. Privat veranlasste Flüge rechnete Middelhof ebenfalls auf Kosten seines Arbeitgebers ab. Insgesamt wurde der Schaden auf ca. 500.000,00 € beziffert.
Ulli Hoeneß wurde zu 3 Jahren und 6 Monaten verurteilt und hatte Steuern in Höhe von fast 30 Millionen überzogen.  
Bei Middelhoff wurde strafschärfend berücksichtigt, dass er uneinsichtig war. Bei Hoeneß wurde berücksichtigt, dass ihm das ganze unheimlich leid tat.
Ich habe vor ein paar Jahren eine Frau verteidigt, die in erster Instanz vom Amtsgericht wegen Untreue mit einem Schaden von knapp 100.000,00 € zu zwei Jahren ohne Bewährung verurteilt worden war und das, obwohl sie zwei minderjährige schulpflichtige Kinder hatte. Die Frau hatte in der ersten Instanz keinen Verteidiger gehabt.
In Sachsen jedenfalls wird in Wirtschaftsstrafsachen hart vorgegangen. Vor allem gegen die, die sich nicht mehr wehren können, weil sie am Boden liegen. Regelmäßig werden Unternehmer, die mit ihren Unternehmen pleite gegangen sind, strafrechtlich verfolgt. Sie haben Sozialversicherungsbeiträge nicht abgeführt, Bilanzen zu spät erstellt oder mit dem Insolvenzantrag zu lange gewartet. Dafür soll es zwischen den Staatsanwaltschaften und Gerichten abgesprochene Tarife geben. Auf individuelle Schuld, Bereicherungsabsicht oder Täuschungshandlungen kommt es nicht an. Und es werden Freiheitsstrafen verhängt, die sich gewaschen haben.
So gesehen wurde Middelhoff nicht hart bestraft.  Er ist sogar gut weggekommen. Gegen Hoeneß schneidet er natürlich schlecht ab. Aber gegen Hoeneß ist Middelhoff eben inzwischen auch nur noch eine arme Wurst. Und wenn man eine arme Wurst ist, darf man bei Gericht nicht auf Milde hoffen.

Was ist eigentlich ein Unrechtstaat?

Es gibt derzeit eine Diskussion, ob es wichtig ist, dass man die DDR als Unrechtsstaat bezeichnet. Daran soll man einen Demokraten erkennen können. Die Diskussion verdient Beachtung.

War die DDR damals ein Unrechtsstaat? Ist die BRD heute ein Rechtsstaat? Was ist eigentlich ein Unrechtsstaat? Was ist ein Rechtsstaat?

Der Begriff Rechtsstaat ist einigermaßen klar. Die alte Bundesrepublik war – auffällig wohl erst in den 60er und 70er Jahren - als Rechtsstaat schon ziemlich einzigartig.  Es gab nicht viele Länder auf der Welt, nicht einmal in Europa, in denen der normale Bürger gegen ein geplantes Großvorhaben (Autobahn, Kraftwerk, Mülldeponie) mit Rechtsmitteln vorgehen konnte. Das Grundgesetz, welches die BRD erst zum Rechtsstaat machte, in dem es alle staatliche Gewalt Recht und Gesetz unterstellte, verpflichte dazu alle staatlichen Organe, ihre Entscheidungen, mit denen Bürger belastet werden, zu begründen und dem Bürger gegen alles ihn beeinträchtigendes staatlichen Handeln effektiven Rechtsschutz zu gewähren. Daran erkennt man einen Rechtsstaat.

Der Begriff Unrechtsstaat taugt deshalb wenig. Es gab in der DDR keinen Rechtssatz, der dem Staat gebot, willkürlich zu entscheiden oder seine Entscheidungen nicht zu begründen. Die Bürger konnten sich gegen Unrecht wehren und die Rechtsmittel, die der Einzelne z.B. am Arbeitsplatz hatte, waren vermutlich effektiver als sie es heute sind. Sicher gab es von Seiten des Staates gemeines Unrecht und die, die vom Staat als Abweichler drangsaliert, eingesperrt oder verfolgt wurden, verdienen unser Mitgefühl, unseren Respekt und unsere Hochachtung vor ihrer Widerstandsleistung. Wäre die DDR aber ein Unrechtsstaat gewesen, dann müssten Richter Unrichter, Rechtsanwälte Unrechtsanwälte, Lehrer Verführer und alle, die sich am kollektiven Unrecht in keiner Weise beteiligen konnten, Opfer gewesen sein.  Ich glaube nicht, dass der Begriff trifft und halte diese Diskussion auch nicht für zielführend.

Zielführend ist es, Unrecht als solches erkennen, wiedergutmachen und für die Zukunft vermeiden zu wollen. Zielführend ist es, nach dem Recht und damit nach materieller Gerechtigkeit zu streben. Und zielführend ist vor allem, sich hier und jetzt darum zu sorgen. Denn es gibt zu viele Rechtsanwälte, die sich darauf spezialisiert haben, Unrecht als Recht zu verkaufen. Es gibt zu viele Richter, denen es egal ist, ob ihre Entscheidungen materiell richtig sind und zu viele Entscheidungen, die deswegen gar nicht mehr oder nur scheinbar begründet werden. Es gibt zu viele Politiker und zu viele (angestellte!) Vorstände von Banken und großen Konzernen, die nur an ihr eigenes Wohl denken.  Und deshalb gibt es leider zu viel Unrecht in unserem Rechtsstaat.

Meine Lebenspartnerin und ich gedenken heute des Jahrestages und haben auf das Erreichte ein Glas Sekt getrunken. Wir sind Wiedervereinigung. Ost und West. Trotzdem haben wir den gleichen Traum von einer gerechten Welt. Warum eigentlich „trotzdem“? 

BGH stärkt Falschparkern den Rücken

So (oder ähnlich) die Headline von zahlreichen Nachrichtenagenturen (u.a. Spiegel-Online) zu einer Entscheidung des BGH vom 04.07.2014 (V ZR 229/13), als diese mit dem Leitsatz und einer Pressemeldung veröffentlicht wurde. Jetzt ist die Entscheidung im Volltext da.

Tatsächlich hat sich der BGH schon mehrfach mit Abschlepp-Fällen beschäftigt und tatsächlich war die Entscheidung weder überraschend noch hat der BGH seine Liebe für Falschparker entdeckt. Denn bestätigt hat der BGH ein weiteres Mal, dass der, der ungefragt auf einem Privatgrundstück parkt, verbotene Eigenmacht begeht, gegen die sich der Eigentümer oder Besitzer des Grundstückes zur Wehr setzen darf. Dazu darf er ein Abschleppunternehmen beauftragen, damit es den Wagen abschleppt. Und sein Fahrzeug – auch das hat der BGH bestätigt – bekommt der Falschparker nur zurück, wenn er die Kosten bezahlt.

Im konkreten Fall hat der BGH die Sache an das Landgericht zurückverwiesen. Gefordert waren 297,50 €.  Das Landgericht hatte 175,00 € für angemessen gehalten. Beide Parteien waren in Revision gegangen. Nun muss das Landgericht erneut entscheiden, was angemessen ist.

Der BGH hat dafür klargestellt, dass das durch einen Vergleich der örtlich üblichen Kosten zu geschehen hat: „Unmittelbar vergleichbar sind (dabei) nur die Kosten, die andere Unternehmen für das Abschleppen fremder Fahrzeuge von privaten Grundstücken verlangen. Diesen reinen Abschleppkosten sind diejenigen Kosten hinzuzurechnen, die für vorbereitende Maßnahmen entstehen, soweit sie ersatzfähig sind. Dabei ist regionalen Unterschieden dadurch Rechnung zu tragen, dass nur die am Ort der Besitzstörung üblichen Kosten in den Vergleich einbezogen werden.“  So die überhaupt nicht überraschende Entscheidung des BGH.

Wenn man einen solchen Vergleich vornimmt, habe ich überhaupt keine Zweifel, dass das Abschleppunternehmen am Ende sein Geld bekommen wird.

Bei den Publikationen zu dieser Thematik spielt der ADAC eine unrühmliche Rolle. Er schürt die Emotionen gegen die angeblich unseriösen Abschleppunternehmen, die viel zu viel verlangen würden. ADAC – Vertragsunternehmen schleppen regelmäßig gar keine Falschparker ab, nehmen aber für vergleichbare Leistungen als Pannenhilfe ähnliche Preise. Denn beim Abschleppen von Falschparkern geht es  - technisch gesehen – um das Bergen eines Fahrzeugs. Anders als beim Abschleppen eines liegengebliebenen Fahrzeugs übergibt der Falschparker dem Abschleppunternehmer regelmäßig nicht seinen Fahrzeugschlüssel. Das Fahrzeug muss also auf ein Bergefahrzeug gehoben werden. Hinzu kommt ein nicht unerheblicher Aufwand, der bei der Pannenhilfe nicht anfällt.

Was ist an der Entscheidung des BGH so besonders, dass sie eine derartige Beachtung gefunden hat? Es sind die Emotionen, die das Abschleppen eines Fahrzeuges immer wieder hervorrufen. Für viele ist der Gedanke, dass ein Dritter das geliebte Auto nicht nur ungefragt anfasst, sondern auch noch hochhebt, mitnimmt und nur gegen Zahlung eines Lösegeldes wieder herausgibt per se so unanständig, dass darüber der Verstand aussetzt. Und so kommt es dann dazu, dass sich am Ende sogar der BGH damit beschäftigen muss.

Mein Rat an die Autofahrer: Nicht auf fremden Grundstücken ohne Erlaubnis parken! Wenn es doch mal passiert ist und das Auto wurde abgeschleppt: Zahlen! Nicht ärgern! Der Böse ist man in diesem Fall selbst. Sagt jedenfalls der BGH.

Bernie Ecclestone - freigekauft?

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sprach von einem Deal, der eine Frechheit sei und der Rechtsordnung widerspräche. Ich habe schon Klügeres von der Grande Dame der deutschen Justiz gehört.

Als Außenstehender kann man einen Strafprozess schlecht beurteilen. Als Strafverteidiger aber weiß ich, dass eine Einstellung nach § 153a StPO oft das einzige ist, was man erreichen kann. Wulff hatte man die Einstellung nach § 153 a angeboten. Er hätte nur 20.000,00 € zahlen müssen. Wulff hat den Prozess vorgezogen, einen Freispruch bekommen und doch verloren. Ecclestone zahlt 75 Mio Euro, klopft dem Staatsanwalt auf die Schulter und hat gewonnen. Der Staat hat auch gewonnen. Hier waren anscheinend alle mit Augenmaß dabei.

Was mich ein wenig wundert ist die Tatsache, dass kaum jemand thematisiert, warum Ecclestone so viel Geld zahlen musste, obwohl sich alle einig waren, dass eine Verurteilung gar nicht mehr wahrscheinlich war. Durfte der Staat unter diesen Umständen überhaupt noch an der Anklage festhalten? Vermutlich ja. Vermutlich hätte man – nachdem das Verfahren einmal eröffnet war – noch viel aufklären müssen.

Ein Deal ist eine Einstellung nach § 153 a StPO nicht. Es ist eine Verfahrensbeendigung, die von allen Prozessparteien Augenmaß verlangt. Hier – so habe ich den Eindruck – waren alle klug. Vor allem Ecclestone, der wusste wie wenig 75 Mio Euro sind, wenn es darum geht, sich für einen erheblichen Teil der Lebenszeit noch die Lebensfreude zu erhalten. Die Staatsanwaltschaft, die hier – soweit ich das überblicken kann – auch nicht mit inquisitorischer Verve vorgegangen ist und das Gericht, dass die Risiken und Chancen nüchtern abgewogen hat, scheinen mir auch klug vertreten gewesen zu sein.

Dass regelmäßig auch bei den sog. kleinen Leuten Verfahren so eingestellt werden, ist bekannt. Dabei habe ich aber schon oft erlebt, dass die die einzigen sind, von denen Klugheit erwartet wird und die unter der zu zahlenden Auflage sehr zu leiden haben. 500 Euro zu bezahlen, um vom Staat nicht weiter behelligt zu werden, ist für viele schmerzhafter als für Ecclestone die 100 Mio Dollar.  Da sollte vielleicht manchmal die Justiz mehr überlegen, ob sie nicht – bevor sie jemanden zur Zahlung einer Geldauflage nötigt – sorgfältiger abwägt, ob sie nicht Anlass hat, den Vorwurf fallen zu lassen.

 

Vorsicht (Branchen-Verzeichnis)-Falle!

Von Spanien erwartet man normalerweise Angenehmes wie Tapas, Wein und Sonne. Dieser Tage kommt jedoch aus Spanien ein mit „Branchen-Verzeichnis Deutschland“ überschriebenes Formular, welches sorgfältig gelesen werden sollte.

Denn der, der meint, es ginge nur darum, seine Adressdaten zu korrigieren, hat – bevor er sich versieht – einen Auftrag für drei Jahre unterschrieben, der ihn jährlich 995 Euro kosten soll. Die Gegenleistung? Ein Eintrag in das Online-Verzeichnis mit einer „gestalteten Anzeige“ für die nächsten drei Ausgaben.

Wer schon auf das Formular hereingefallen ist und unterschrieben hat, sollte sich sofort an einen Rechtsanwalt wenden. Ein wirksamer Auftrag dürfte damit nicht vorliegen, aber weiß das jedes Gericht? In den vergangenen zehn Jahren habe ich etliche solcher Firmen kennengelernt, die davon leben, dass sie für teures Geld eine Leistung anbieten, die niemand braucht und auch eigentlich gar keine Leistung darstellt. Viele falsche Urteile sind ergangen, und viele haben sich geärgert, wenn sie sich nicht mit einem Rechtsanwalt, der sich in der Materie ein wenig auskennt, gewehrt haben. Hier gibt es die Besonderheit, dass der Gegner im Ausland sitzt, also in Spanien klagen könnte.

Deutsche Bank und Kirch-Erben: Vergleichen statt streiten

Rechtsanwalt Hans Theisen zu Vergleich, Mediation und Gütestelle

800 Millionen Euro. Diesen Betrag sollte die Deutsche Bank an die Erben des Filmhändlers Leo Kirch überweisen. Das war das vorläufige Ergebnis eines Rechtsstreites, der sich über zehn Jahre hingezogen und sicher viele Millionen Euro an Kosten verschlungen hat. Zu guter Letzt sollte das Verfahren nicht mit einem Richterspruch enden, denn beide Parteien hatten sich auf einen Vergleich geeinigt. 

Der Streit hatte etwas Archaisches: Zwei alte Männer schlugen aufeinander ein. Die Positionen standen unversöhnlich gegenüber. Die Rechtsfrage war – wie so oft – im Grunde genommen banal. Wir kennen die Hintergründe nicht, aber es könnte gut sein, dass der Weg zu einem außergerichtlichen Vergleich auch dadurch geebnet wurde, dass die Erben von Leo Kirch den Konflikt mit weniger Emotionen betrachten konnten.

Vergleichen bedeutet sich einigen. Auch vor Gericht werden viele Verfahren durch Vergleich beendet. Meistens sind dann beide Parteien unzufrieden. Für einen außergerichtlichen Vergleich empfiehlt sich das Einschalten eines Mediators. Dieser zeichnet sich dadurch aus, dass er für beide Parteien, also „allparteilich“ ist und ihnen hilft, eine Lösung selbst zu finden. Dabei trennt der Mediator die Positionen von den Interessen und den Emotionen. Kommt es zur Einigung, ist dies ein von den Parteien selbstbestimmtes und freiwillig erarbeitetes Ergebnis. Jede Seite ist zufrieden. Dabei geht es schneller und ist häufig günstiger als ein Gerichtsverfahren.

Eine andere Möglichkeit ist das Güteverfahren vor einer staatlich anerkannten Gütestelle. Der Gesetzgeber hat bei der Gütestelle mehr an den Schlichter gedacht, der aber genau wie ein Mediator arbeiten kann und häufig auch Mediator ist. Der Vorteil beim Gütestellenverfahren liegt u.a. in der gesetzlich geregelten Verjährungshemmung und darin, dass der Vergleich vor der Gütestelle wie ein Prozessvergleich vollstreckt werden kann. Die Kosten für ein Güteverfahren sind, insbesondere bei hohen Streitwerten, vergleichsweise gering. Die meisten staatlich anerkannten Schlichter haben außerdem die Befähigung zum Richteramt. Das Güteverfahren eignet sich bei allen Streitigkeiten, bei denen beide Parteien an einer vernünftigen Lösung interessiert und autonom sind. Denn Ziel des Güteverfahrens oder der Mediation ist ein Gewinn für beide Parteien, während der gerichtliche Vergleich zwingend ein Verlieren beider Parteien darstellt. Der Mediator oder Schlichter muss allparteilich, also empathisch sein. Der Richter ist bestenfalls neutral, was manchmal auch als gleichgültig empfunden werden kann. 

Die Beteiligten im Kirch-Fall hatten objektiv nicht die Möglichkeit, sich schnell bei einer Gütestelle für kleines Geld zu einigen. Leo Kirch wollte vermutlich auch Genugtuung und die Deutsche Bank ist nicht autonom. Denn die Verhandlung führen immer nur Angestellte. Und für einen solchen Vergleich will niemand die Verantwortung übernehmen. Aus diesem Grunde ist auch der 800-Millionen-Euro-Vergleich gescheitert. Der Vorstand der Bank hat entschieden, den Vergleich nicht anzunehmen. Noch ein paar Jahre vor Gericht streiten, kann auch die bessere Alternative sein. 

Ich bin heute aus der CDU ausgetreten.

Ich wollte es eigentlich schon, als der Betrug von zu Guttenberg bekannt wurde und unsere Kanzlerin dies als Petitesse behandelte. Ich wollte es, als zu Guttenberg sich mit „vorerst gescheitert“ zurückmeldete und man hören konnte, dass eine baldige Rückkehr nicht ausgeschlossen ist. Jetzt erfahren wir, dass unser Bundespräsident sich von einem Geschäftsmann, den er mit auf Auslandsreisen genommen hat, einen geldwerten Vorteil im fünfstelligen Bereich hat geben lassen. Dagegen sind der Urlaub des Präsidenten und seiner Ehefrau in Carsten Maschmeyers Haus auf Mallorca und dessen Promotion für das Buch von Wulff schon fast nur Kleinigkeiten. Und wir erfahren, dass unserer Bundespräsident gelogen hat und auch jetzt nur scheibchenweise mit der Wahrheit herausrückt. Und die Kanzlerin steht wieder hinter ihm.

Ich will mit den zu Guttenbergs, mit den Wullfs, und mit allen, die schon lange über die bürgerlichen Werte nur noch lachen, nichts zu tun haben.