DER IRAN GEWINNT DEN KRIEG
Eine Chance für uns!
Der Iran gewinnt den Krieg
Der Iran gewinnt den Krieg. Das ist meine Prognose.
Ich sage damit nicht, dass der Krieg heute schon entschieden ist. Ich sage auch nicht, dass es unmöglich wäre, den Iran noch in Schutt und Asche zu bomben. Das ist leider durchaus denkbar. Wenn es dazu käme, dann hätte sich meine Prognose als falsch erwiesen. Ich habe keine Glaskugel. Aber ich halte es für wahrscheinlicher, dass es dazu nicht kommt. Und der Grund dafür ist aus meiner Sicht einfach: Trump wird am Ende nicht so dumm sein, den politischen und wirtschaftlichen Weltuntergang verantworten zu müssen.
Wer diesen Krieg nur nach der Zahl von Flugzeugen, Raketen oder Satelliten beurteilt, wird meine These vielleicht für absurd halten. Die USA und Israel sind stärker als der Iran. Das ist offenkundig. Aber Stärke allein entscheidet keinen Krieg. Entscheidend ist, ob man seine Ziele erreichen kann. Entscheidend ist auch, welchen Preis man für die Erreichung dieser Ziele zahlen muss. Und genau da liegt nach meiner Auffassung das Problem der Angreifer. Sie können den Iran verletzen. Sie können ihm schwer schaden. Aber sie können ihn nicht besiegen, ohne eine Kettenreaktion auszulösen, die am Ende die Weltwirtschaft, die Region und damit auch den Westen selbst schwer trifft.
Der Iran ist militärisch schwächer. Aber er hat etwas anderes in der Hand. Er hat die Fähigkeit, die Welt in ein Chaos zu stürzen. Diese Fähigkeit ist keine Kleinigkeit. Sie ist das eigentliche Machtmittel dieses Landes. Die Straße von Hormus ist dafür das wichtigste Symbol. Über diese Meerenge läuft ein erheblicher Teil des weltweiten Öl- und Gashandels. Wer dort dauerhaft stören, blockieren oder nur glaubhaft drohen kann, löst nicht irgendein regionales Problem aus, sondern eine weltwirtschaftliche Krise.
Und genau das ist der Punkt, den viele im Westen meines Erachtens nicht begreifen wollen. Der Iran muss nicht Washington erobern. Der Iran muss nicht Tel Aviv besetzen. Er muss nicht einmal militärisch schöner, besser oder moderner sein. Es reicht, wenn er den USA und Israel zeigen kann: Ihr könnt uns vielleicht noch schwerer treffen, aber ihr könnt uns nicht vernichten, ohne dabei selbst einen Preis zu zahlen, der politisch kaum tragbar ist. Wenn das so ist, dann gewinnt am Ende nicht der Stärkere, sondern derjenige, der den Gegner am wirksamsten an der Zielerreichung hindert.
Deshalb halte ich sogar einen militärischen Sieg des Iran für möglich, obwohl er schwächer ist. Nicht im Sinne eines Triumphmarsches. Nicht im Sinne einer Besatzung fremder Hauptstädte. Sondern in dem nüchternen Sinn, dass die militärisch stärkere Seite ihre Kriegsziele nicht erreicht und am Ende zurückweichen muss. Das ist in der Geschichte nicht neu. Neu ist nur, wie klar diese Logik hier sichtbar wird. Der Iran zeigt, dass eine überlegene Militärmacht eben nicht alles machen kann, wenn die Gegenseite über Eskalationsmittel verfügt, die den Preis ins Unermessliche treiben.
Ich halte deshalb diesen Krieg für die eigentliche Zeitenwende und nicht den Ukraine-Krieg. Im Ukraine-Krieg wurde bereits sichtbar, dass westliche Macht Grenzen hat. Im Krieg gegen den Iran wird das noch deutlicher. Hier geht es nicht nur um Frontverläufe, sondern um die Frage, ob die USA überhaupt noch in der Lage sind, ihren politischen Willen weltweit durchzusetzen. Wenn ein Land wie der Iran den Vereinigten Staaten zeigen kann, dass sie trotz aller Überlegenheit nicht frei handeln können, dann ist das mehr als ein militärischer Zwischenfall. Dann ist das ein Einschnitt in der Weltordnung.
Für mich ist damit die westliche Dominanz erledigt. Vielleicht nicht in jedem Detail, vielleicht nicht von heute auf morgen, aber im Grundsatz. Die ganze Welt sieht, dass man die USA bezwingen kann. Nicht unbedingt, indem man stärker ist. Sondern indem man ihre Verwundbarkeit offenlegt. Das ist die eigentliche Lehre dieses Krieges. Und sie wird nicht nur in Teheran, Washington und Tel Aviv gelesen. Sie wird in Peking gelesen. Sie wird in Moskau gelesen. Sie wird in Caracas gelesen. Und sie müsste auch in Berlin gelesen werden.
Stattdessen macht Deutschland aus meiner Sicht fast alles falsch. Wir reden über Aufrüstung in einer Größenordnung von einer Billion, wenn man Deutschland und die Lasten zusammennimmt, die wir im Rahmen der Europäischen Union mittragen sollen. In Brüssel werden Hunderte Milliarden mobilisiert, national kommen riesige Programme dazu, und alles wird so verkauft, als läge darin unsere Rettung. Wer das zusammendenkt, versteht, warum ich die Zahl von einer Billion stehen lasse.
Aber was ist das eigentlich für eine Politik? Unser Kanzler bezeichnet Russland als Land im Zustand der tiefsten Barbarei. Solche Sätze mögen Beifall bringen. Mit Diplomatie haben sie nichts zu tun. Wer so redet, redet nicht in Richtung Frieden. Wer so redet, verschärft die Fronten weiter. Ich halte das für unverantwortlich. Denn ein Land wie Deutschland müsste gerade wegen seiner Geschichte und wegen seiner Lage in Europa jedes Interesse daran haben, Brücken zu bauen, statt sie abzubrennen.
Hinzu kommt, dass wir uns gleichzeitig an neuralgischen Punkten verletzlich machen. Deutschland ist inzwischen selbst in einem erheblichen Umfang von LNG-Terminals abhängig. Und da sind wir bei einem Gedanken, der in diesem Krieg besonders wichtig ist. Jedes Land hat heute seine eigene Straße von Hormus. Bei uns können das LNG-Terminals sein. Es können Häfen sein. Es können Unterseekabel sein. Es können Stromtrassen, Rechenzentren oder andere kritische Punkte der Infrastruktur sein. Mit anderen Worten: Unsere Gesellschaft ist hoch entwickelt, aber sie ist gerade deshalb auch hoch verletzlich. Es bedürfte kaum einer Fußballmannschaft, um an der richtigen Stelle einen Schaden anzurichten, der enorme Folgen hätte. Wenn man das verstanden hat, redet man anders über Sicherheit.
Dann redet man nämlich nicht mehr so leichtfertig darüber, immer mehr Geld in Waffen zu stecken. Dann fragt man sich vielmehr, ob diese ganze Kraftmeierei nicht am Ende fürchterlich dumm ist. Denn was nützt die großartigste Aufrüstung, wenn moderne Staaten an wenigen empfindlichen Punkten aus dem Gleichgewicht gebracht werden können? Was nützt es, Milliarden in Rüstung zu stecken, wenn zugleich Schulen verfallen, Krankenhäuser unter Druck geraten, Infrastruktur marode wird und die wirtschaftliche Substanz eines Landes geschwächt wird? Ich meine: Das nützt uns gar nichts.
Gerade deshalb sehe ich in dieser düsteren Entwicklung auch eine Chance. Wenn der Iran am Ende gewinnt, obwohl er schwächer ist, dann könnte das den Blick für Realitäten schärfen. Dann könnten vielleicht auch in Deutschland mehr Menschen begreifen, dass militärische Macht kein Allheilmittel ist. Dann könnte vielleicht die Einsicht wachsen, dass Aufrüstung keine vernünftige Antwort auf jede geopolitische Krise ist. Und dann könnte vielleicht ein Politikwechsel möglich werden.
Ein solcher Politikwechsel wäre aus meiner Sicht dringend nötig. Wir brauchen weniger ideologische Außenpolitik und mehr Interessenpolitik. Wir brauchen weniger moralische Großworte und mehr Nüchternheit. Vor allem aber brauchen wir andere Prioritäten. Das Geld, das man jetzt in immer neue Rüstungsprojekte stecken will, würde in Bildung, Gesundheit, Infrastruktur und wirtschaftlicher Stabilisierung sehr viel besser angelegt sein. Schulen, Krankenhäuser, Brücken, Schienen, verlässliche Energieversorgung und vernünftige Arbeitsplätze stärken ein Land. Rhetorik und Aufrüstungsgläubigkeit tun das nicht.
Ich will noch einen zweiten Gedanken hinzufügen. Viele Menschen merken längst, dass sie schlecht regiert werden. Sie merken, dass für Waffen und Konfrontation plötzlich Summen da sind, die man bei sozialen Fragen, bei Pflege, bei Renten, bei Schulen oder beim Wohnungsbau angeblich nie aufbringen konnte. Dieser Widerspruch springt ins Auge. Wenn nun auch noch sichtbar wird, dass die großen geopolitischen Eskalationen, in die wir hineingezogen werden, nicht einmal die versprochene Sicherheit bringen, dann könnte daraus ein sehr ernster Lernprozess entstehen. Und das wäre vielleicht das Beste, was aus diesem Krieg noch folgen könnte.
Wer sich zu diesen Fragen informieren will, sollte meines Erachtens nicht nur die offiziellen westlichen Kanäle verfolgen. Ich halte sie oft für irreführend, jedenfalls dann, wenn man verstehen will, wie Machtpolitik tatsächlich funktioniert. Sehr viel interessanter finde ich Stimmen wie John Mearsheimer, Jeffrey Sachs, Glenn Diesen, Neutrality Studies oder Judge Napolitano. Mearsheimer erscheint mir besonders glaubwürdig, weil er die Grundlogik internationaler Konflikte nüchtern analysiert und sich nicht im moralischen Theater verliert. Jeffrey Sachs, Glenn Diesen, Neutrality Studies, Judging Freedom, Dialogue Works und The Duran sind ebenfalls gute Anlaufstellen. Einar Tangen wiederum finde ich regelmäßig in Gesprächen bei Glenn Diesen und anderen Formaten.
Wenn meine Prognose richtig ist, dann wird dieser Krieg als der Moment in Erinnerung bleiben, in dem die Grenzen westlicher Macht für alle sichtbar wurden. Und wenn wir in Deutschland klug sind, dann ziehen wir daraus nicht den Schluss, noch mehr Geld in Waffen zu stecken. Sondern den Schluss, dass Vernunft, Diplomatie, Infrastruktur und sozialer Zusammenhalt für unsere Sicherheit weit wichtiger sind als die nächste Runde der Eskalation.
Informationsquellen und Kanäle
John Mearsheimer: https://www.mearsheimer.com/public-appearances/
Jeffrey D. Sachs: https://www.youtube.com/@JeffreyDSachsOfficial
Glenn Diesen: https://www.youtube.com/@GDiesen1
Neutrality Studies: https://www.youtube.com/@neutralitystudies
Judge Napolitano – Judging Freedom: https://www.youtube.com/@judgingfreedom
Dialogue Works: https://www.youtube.com/@dialogueworks01
The Duran: https://www.youtube.com/@TheDuran
Einar Tangen – häufig in Gesprächen hier bzw. per Suche: https://www.youtube.com/results?search_query=Einar+Tangen+Glenn+Diesen
